Das Stück

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Remisen für historische Lokomotiven und Eisenbahnzüge gibt es nicht vielerorts. Eher heimlich wurden hier Maschinen abgestellt, die während vieler Jahre durchs Land gefahren sind und ihren Dienst geleistet haben. Generationen haben sich ihrer bedient. Nun stehen sie ausgemustert im Düster eines Depots, ab und zu bewundert von Fans. Einzelne der Züge machen immer noch Spezialfahrten durchs Land, von Trainspottern ungeduldig erwartet und detailgetreu abgelichtet.

Dass wir im Lokdepot ein Theaterstück produzieren können, ist eine ausserordentliche, einzigartige Gelegenheit.

Kein existierendes Stück geht auf diese spezielle Situation ein. Wir finden es undenkbar, irgendein Theaterstück in dieses wunderbare Setting einzubauen und dieses bloss als romantisches Dekor zu benützen. So war uns von Anfang an klar: Ein neues Werk muss her, eines, in dem die Situation den Inhalt bedeutungsvoll verstärkt. Der einmalige Ort verlangt ein einmaliges Stück.

Acht Menschen treffen sich im Depot der ausgemusterten Maschinen, vier Frauen und vier Männer aus verschiedenen Altersgruppen. Sechs davon sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben und wie die Maschinen ausgemustert oder nicht akzeptiert sind. Zwei, ein Mann und eine Frau, vertreten die Eisenbahngesellschaft. Sie verkörpern Menschen, die an den Hebeln der Macht sitzen und über die sechs Randständigen Macht ausüben.

Ein Theaterstück, das innerhalb von zwei Stunden Brennpunkte erhellt und bedeutungsvolle Veränderungen aufzeigt, kann nicht eine lineare Geschichte erzählen. Die acht Protagonisten treffen sich, mögen sich, lehnen sich ab, verändern sich, machen eine Entwicklung durch. Manches geschieht im Verborgenen, bloss gefühlt, nicht ausgesprochen, geisterhaft. Der Titel „Spuk im Lokdepot“ zeigt es: Im Depot geistert es.
Es würde zu weit führen, hier den Ablauf im Detail darzulegen. Die Schilderung der Personen und ihrer speziellen Art soll aufzeigen, was für ein Glücks- und Konfliktspotential in der alten Remise in Reaktion tritt.